Schmerz

Heute hatte ich einen Zahnarzttermin. Für mich war Zahnarzt etwas Simples. Ich gehe hin und lasse eine Kontrolle durchführen oder regeln, was zu regeln ist. Doch über die letzten Jahre beobachtete ich, dass sich in mir Angstgefühle einstellten. Das mit der Angst schien sich wirklich auf alle möglichen Bereiche in meinem Leben auszubreiten. Aber ich beobachtete auch, wie ich mich durch die Ideen der Angst von anderen beeinflussen ließ. Ich hörte andere von Angst sprechen und wunderte mich anfangs darüber, da ich diese Angst ja nicht so empfand. Im nach hinein beobachte ich, dass es für mich immer wieder ausreichte, wenn ich meinen Fokus fragend auf etwas richtete. Vor vielen Jahren also beobachtete ich Menschen mit Angst vor dem Zahnarzttermin und ich beobachtete sie einfach in mir fragend…. Mit der Zeit begann ich mich auch des Öfteren mulmig zu fühlen, wenn bei mir mal wieder so ein Termin anstand. Obwohl ich dieses Unwohlgefühl eigentlich gar nicht wollte schien es doch immer präsenter zu werden. Ich begann in meinen Gedanken zwei Seiten wahrzunehmen. Die eine, die Zahnarzt und alle damit verbundenen Aktivitäten als normal hinnahm und eine andere neuere Seite, welche mir immer wieder suggerieren wollte, dass es wehtun könnte. Ich entschied mich trotzdem immer wieder dafür Zahnarzt als etwas ebenso Natürliches anzusehen wie alle anderen Dinge im Leben auch. So marschierte ich fröhlich zu meinem Termin.

Heute wusste ich, dass ein Zahn eine neue Füllung brauchte. Wie gewöhnlich entschied ich mich gegen eine Betäubungsspritze obwohl ich mich heute etwas mulmiger dabei fühlte als sonst. Doch in der Regel war ich darin geübt mich durch mein Atmen und meine Konzentration auf meinen Körper ruhig und gelassen zu halten und die Zahnbehandlung über mich ergehen zu lassen. Doch hatte ich die Stimme eines vergangenen Zahnarztes von vor vielen Jahren noch in mir, der einmal sagte, dass er selber es nicht noch einmal mit einem Patienten durchstehen würde ihn ohne Spritze zu behandeln. Zu diesem vergangenen Termin wurde bei mir ein Zahn behandelt, wo eine sehr tiefgehende Füllung neu ersetzt werden musste. Und für mich war gerade das der Grund, warum ich meinen Zahn einfach ganz bewusst während der Arbeit an ihm wahrnehmen wollte. Ich hatte zu dem damaligen Termin kein Problem damit, obwohl die Empfindlichkeit des Zahnnervs recht groß war. Doch der behandelnde Arzt hatte ein Problem damit. Er fühlte sich während der gesamten Behandlung sehr unwohl, da er befürchtete, dass er mir wehtun könnte. Und mein Problem war, dass ich mich unbewusst davon habe beeinflussen lassen indem ich mich fragte, ob er vielleicht doch Recht hätte und ich mehr Rücksicht auf die Zahnärzte nehmen sollte…. ziemlich verdreht nichtwahr?!… Ich hatte diese Überlegung damals nicht so direkt in meinem Kopf, doch heute wird mir bewusst, dass ich mich von der Aussage des Zahnarztes habe beeinflussen lassen und mich mit dieser beschäftigte. Durch diese innere Erlaubnis, welche vor vielen Jahren in mir stattfand, fühlte ich mich heute unwohl und im Selbstzweifel, ob es wirklich weiterhin so angemessen sei. Doch ich entschied mich wie immer, keine Betäubung. Ich mag dieses anschließende taube Gefühl einfach nicht. Wenn ich beim Zahnarzt raus gehe möchte ich fertig sein und nicht noch Stunden damit herum wackeln.

Heute war ich bei einem Zahnarzt, welcher es lächelnd und freudig akzeptierte, mich ohne Anästhesie zu behandeln. Doch als der Bohrer ansetzte, war ich zwar äußerlich vollkommen ruhig, aber in mir gingen meine Gefühle ins Chaos. Fast alles schien anwesend zu sein, Angst, Freiheit, Schmerz kein Schmerz und so vieles, was ich gar nicht identifizieren konnte. Aber zeitweise hatte ich das Gefühl in mir Klapsmühlen reif zu sein, so sprang in mir alles durcheinander. Alles in mir schien außer Kontrolle und doch war ich nach Außen vollkommen ruhig. Doch ich fühlte die ganze Zeit über, dass es von meiner Entscheidung abhing, was ich hier jetzt nach Außen ausdrückte. Ich entschied mich für meine Ruhe und half mir selbst indem ich meinen Körper beobachtete. Er war vollkommen relaxt. So erlaubte ich mir auch den anderen Gefühlen in mir einfach nur zuzuschauen. Dann kam in mir die Frage auf – tut es eigentlich wirklich weh?! Und ich begann tiefer in das hinein zu fühlen, was ich aus meinem Zahn selbst wahrnahm. Und plötzlich stellte sich etwas ein, das ich einen inneren Abstand nennen würde. Ich nahm dieses ziehende Gefühl in meinem Zahn war und stellte plötzlich fest, dass es lediglich ein Gefühl war und ich es erst dann als Schmerz empfinden würde, wenn ich es so bezeichnete. Solange ich dem Gefühl erlaubte so zu sein, wie es war, war es lediglich ein Gefühl, das sich so anfühlte, wie es sich gerade eben anfühlte, nichts weiter.

Ich nahm gerade eben wahr, dass auch der Schmerz eigentlich gar nicht existiert sondern erst durch seine Beurteilung so empfunden wird.

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